Muota-Remake 95/13: Deutsche Kanu-Wildwassermeisterschaften in der Zentral-Schweiz

Die Idee:

Vor über 3 Jahren haben Peter Lüthi vom Kanu-Club-Zug (Schweiz) und Harald Piaskowski vom Kanu-Club-Fulda die Idee zu einem „Muota-Remake 95/13“ und eine Schweizer-Deutsche Meisterschaft auszurichten. Piaskowski hatte 1995 mit Schweizer Freunden, federführend dort war Rolf Gretener (verstorben), bereits eine sehr erfolgreiche DM auf der Muota organisiert und der Gedanke, auf diesem wunderschönen Wildfluss eine Wiederholung in Angriff zu nehmen, hat ihn nie los gelassen.

 

Die Entscheidung:

Nach einer Vereinsumfrage auf der DM 2009 in Obervellach und der endgültigen Zustimmung durch die verantwortlichen Fachwarte auf der DKV-Fachwartetagung 2011, konnten die Planungen für die Junioren-LK- und Masters DM beginnen.

Die Deutschen Kanu Wildwassermeisterschaften 2013 sollten in die Zentralschweiz oder Innerschweiz ausgetragen werden. Die Zentralschweiz ist eine Region, die die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug umfasst. Sie liegt nördlich des Alpenkammes. Das städtische Zentrum ist Luzern. Unser Wettkampf-Fluss ist die Muota; sie ist 29 Kilometer lang und fließt durch das gleichnamige Tal in den Schwyzer Alpen. Bei Brunnen mündet die Muota in den Vierwaldstädtersee. Der Name des Flusses wird abgeleitet von Muoth-Aa, was Mutige Ach bedeutet. Dabei ist das Wort Muot in seiner ursprünglichen Bedeutung «Zorn» zu verstehen und bezeichnet einen Fluss mit einem reißenden Lauf, zu Recht!

Die Organisationsgesellschaft:

Aus verschiedenen Gründen mussten die Partner aus Zug und Fulda einen Gesellschaftervertrag „Einfache Gesellschaft Kanu Race Muotatal“ abschließen, um aktiv zu werden. Auf keinen Fall wollte man ein böses Erwachen vor uns nach der Veranstaltung erleben.

Die erfolgreiche Kooperation:

Über 60 Helferinnen und Helfer – inzwischen war auch noch der Kanu-Club Schwyz an Bord – waren über viele Monate und in der Wettkampfwoche im Einsatz, um alles zur vollen Zufriedenheit der SportlerInnen, BetreuerInnen, TrainerInnen und Fans zu organisieren. Und dieser Einsatz sollte sich lohnen. Das Feed-Back war gigantisch! „Eine Strecke vom Feinsten“, lobte Dennis Drieschner den tollen Fluss und vor allem den Sprintabschnitt, mit der Schlüsselstelle „Muotastein“. Und Olaf von Hartz äußerte per Mail: „Vielen Dank noch mal für Euren Super- Einsatz in Sachen DM Muota, es war eine Spitzen- Veranstaltung, da tun auch das zeitweise unschöne Wetter und die relativ hohen Kosten gar nicht mehr so weh“. DKV-Vizepräsident Jens Perlwitz sagte im Pressetermin „man merkt einfach, dass in Fulda akribisch und überlegt gearbeitet wird“. Auch die Bundestrainer Gregor Simon und Ralf Beerschwenger geizten nicht mit Lob für die Schweizer-Deutsche Kooperation.

Die Sprint-Rennen:

Als Grenzwert für die Veranstaltung hatten Peter Lüthi, der die Muota wie seine Westentasche kennt und der jeden Stein beim Namen nennen kann, einen Pegel von 15 bis 55 m³/s ausgegeben. Eine Woche vor der Veranstaltung wurden noch 75 m³/s gemessen. Inzwischen hatte sich der Wasserstand bei über 30 m³/s eingepegelt; ein Traum für die Athleten. Dazu gab es noch herrlichen Sonnenstein und eine Bombenstimmung an der Strecke.

Die Sprintstrecke lag direkt an der Schlüsselstelle, dem Muotastein. Dank der Unterstützung durch die Anlieger, konnte hier ein Optimum auf dem Wasser und an Land geboten werden. Zuschauer, Betreuer und Fans fanden ein Festzelt für ca. 200 Personen vor, von dem aus alles bestens zu beobachten war. Die Zeiten konnten auf einer Anzeige verfolgt werden; der Schweizer „Speaker“ gab die erforderlichen Infos auf dem „Audioweg“ – auch auf Hochdeutsch – dazu.

Mit einer Zeit von 64,14 Sekunden war es Sören Falkenhain aus Braunschweig, der seinen Kajak als schnellster über die wilde Wettkampfstrecke preschte. Tobi Bong und Björn Beerschwenger (beide RKC Köln) fuhren die Silber- und die Bronzemedaille ein.

Sehr schnell unterwegs war auch Joshua Piaskowski im Junioren-Rennen. Während er im ersten Lauf nicht so richtig zu recht kam, legte er im zweiten Lauf – nach einem verbalen Tritt in den Hintern durch seine Trainer – eine Fabelzeit von 65,79 Sekunden vor und holte den Meister-Titel nach Fulda. 74-hunderstel betrug der Rückstand von Finn Hartstein (KC Düsseldorf-Hamm) auf dem Silberrang und mit Benedikt Müller fuhr ein weiterer Düsseldorfer auf das Treppchen.

Im Rennen der Damen ließ sich Sabine Füßer aus Augsburg die Butter nicht vom Brot nehmen. Sie fuhr der Konkurrenz auf und davon, holte sich Gold und verwies Manuela Stöberl (Rosenheim) und Birgit Bach (Rheydt) auf die Plätze.

Eine Jugendliche – Meghan Jaedicke von RDE Hamburg – dominierte das Rennen der Juniorinnen. In 73,3 Sekunden bewältigte sie die Strecke und fuhr damit 1,14 Sekunden schneller als ihre Mitbewerberin Anna Bohn aus Köln. Die Fuldaerin Jil-Sophie Eckert holte sich Bronze.

Siegreich zeigte sich Tim Heilinger (RKC-Köln) in seinem Einer-Canadier. Er hatte die richtige Spur gefunden und war einen Wimpernschlag vor Normen Weber (KS Augsburg) im Ziel; der Vorsprung betrug 0,24 Sekunden. Bundestrainer Gregor Simon war ebenfalls schnell unterwegs und fuhr auf Rang 3. Im Zweiercanadier gab es aber dann das erhoffte Gold für Weber. Zusammen mit seinem Partner Rene Brücker (RG DKV) fuhr er im Zweiercanadier Bestzeit und verwies die Boote Nies-Schmitz (RKC Köln) und Simon-Heilinger (RG NRW) auf die Plätze.

Janosch Sülzer und Younes Mhamel (beide FF Brühl) galten als die Favoriten im Rennen der Junioren im Einer-Canadier. Aber es war Moritz Fladung vom Kanu-Club-Fulda, der das Rennen mit Bestzeit eröffnete und diese bis zum Schluss verteidigen konnte. Sage und schreibe 0,09 Sekunden war sein Vorsprung vor Sülzer, der zweiter wurde.

Der KSK Köln, der PSV Braunschweig und der RKC Köln zählten zu den Favoriten im Herren-Mannschaftsrennen. Nach der Super-Zeit von Joshua Piaskowski im Junioren-Rennen, setzten die Fuldaer Trainer auf ihn in der Herren-Mannschaft und sein Bruder David musste in die 2. Besetzung rücken. Mit Johannes und Josef Baumann ging der Youngster ins Rennen und fischte sich seine 2. Goldmedaille aus der Muota. Antons, Falkenhain und Overbeck aus Braunschweig wurden 2., der RKC Köln mit Bong, Gierenz und Beerschwenger dritter.

Masters C/D:

1. Konrad Hollerieth – KK Rosenheim
2. Olaf von Hartz – PSV Braunschweig
3. Max Moser – KK Rosenheim

Masters B:

1. Markus Gickler – KSK Köln
2. Arim Schäfer – KC Fulda
3. Jesko Klammer – TG München

Masters A:

1. Thomas Gawehn – KSK Köln
2. Sebastian Gressel – FF Brühl
3. Viktor Massini – KC Fulda

Die Classic-Rennen:

Die Wetterprognosen sahen für den Classic-Wettkampftag übel aus. Regen satt und niedrige Temperaturen waren angesagt. Musste man mit Hochwasser rechnen und auf die Ersatzstrecke an die Urnerreuss ziehen? Das wäre der Super-Gau für das Orgateam um Lüthi und Piaskowski, aber vor allem für die Zeitnahme. Aber die „Einheimischen“ konnten beruhigen. Im Muotatal richtet sich das Wetter nicht nach dem Wetterbericht. Vielmehr war es der Fön, der bestimmenden Einfluss hatte. Es gab kein Hochwasser und im Laufe des Tages sorgte die Sonne für einen Top-Wettkampftag. Bestens aufgelegt waren alle an und auf der Strecke und die Sportler zeigten sich angriffslustig und zur Revanche bereit. Und es war tatsächlich ein Tag zum Revanchieren:

Im Einer-Canadier der Junioren fuhr der Brühler Janosch Sülzer die Bestzeit und Normen Weber (KS Augsburg) war der schnellste Canadier-Fahrer bei den Herren. Zudem sicherte er sich mit Rene Brücker noch den Titel im Zweiercanadier.

Der Braunschweiger Marcel Paufler war in seinem Kajak im Junioren-Rennen nicht zu bremsen und Finn Hartstein vom KC Düsseldorf-Hamm hatte mit einem Rückstand von 2,98 Sekunden auf der fast 7 km langen Strecke das Nachsehen. Sein Vereinskamerad Yannick Lemmen fuhr auf Platz 3.

Tagesschnellster war ein RKC-ler. Tobias Bong, der erst kurzfristig nachgemeldet hatte, war unheimlich schnell unterwegs. Nur 17:06,64 Minuten brauchte er für die anspruchsvolle Strecke zwischen dem Start in Hinterthal und dem Ziel in Ried. Über 17 Sekunden mehr benötigte Achim Overbeck aus Braunschweig und wurde damit zweiter. Sprintsieger Sören Falkenhain kam auf den Bronzerang.

 

Auch bei den Damen wurde der Spieß umgedreht. Die Rosenheimerin Manuela Stöberl fuhr auf das oberste Treppchen, gefolgt von Deborah Fogel (LKC Lindau) und Maria Hollerrieth (Rosenheim). Und bei den Juniorinnen war es die Fuldaerin Jil-Sophie Eckert, die das Sprint-Ass Meghan Jaedicke auf Rang 2 verwies.

Auch im Mannschaftsrennen der Herren wurden die Karten neu gemischt. Die Fuldaer hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Da blieb der Dreikampf zwischen KSK, RKC und PSV. Am Ende hatten Bong, Gierenz und Beerschwenger (RKC Köln) die Nase vorn, gefolgt vom PSV Braunschweig und dem KSK Köln.

Masters C/D:

1. Olaf von Hartz – PSV Braunschweig
2. Wolfgang Brick – RdE Hamburg
3. Max Moser – KK Rosenheim
Masters A/B:
1. Thomas Gawehn – KSK Köln
2. Martin Vogler – TKF Trier
3. Jesko Klammer – TG München

Der Medaillenspiegel:

1.   KC Fulda 4-3-2
2.   RKC Köln 3-4-2
3.   PSV Braunschweig 3-4-1
4.   KC Düsseldorf-Hamm 2-2-4
5.   KK Rosenheim 2-1-3
6.   KS Augsburg 2-1-0
7.   RG DKV 2-0-0
8.   FF Brühl 1-2-1
9.   RdE Hamburg 1-2-0
10. KSK Köln 1-1-2

Das Fazit:

Die Organisatoren der Veranstaltung aus Zug (Schweiz) und Fulda haben alles gegeben, um eine Veranstaltung nach Maß und eine traumhafte Wettkampfstrecke zu bieten. Das Feed-Back zeigt, dass dies augenscheinlich gelungen ist. Keine Frage: Die Schweiz hat an vielen Flüssen Wildwasser und Infrastruktur zu bieten, die einer solchen Meistschaft gerecht werden. Und sicher findet man in der Schweiz auch Partner, die gern mit uns zusammen arbeiten.

Weitere Infos und Ergebnisse:

www.kanu-race-muota.ch

Text und Fotos: Harald und Andreas Piaskowski